Studienfahrt der Klasse 10c nach Dresden

7.- 11. September 2009


Kurzer Reisebericht

Aufbruch gegen acht Uhr morgens am Bahnhof Allenbach – vor dem Stiftstor herrscht Gedrängel, schließlich fährt 2009 ein Jahrgang mehr als sonst. Gute Wünsche, Ermahnungen, Winken, das Übliche. Einer ist erkältet, will aber unbedingt mit.

Die Busfahrt verläuft angenehm ereignisarm, am frühen Nachmittag sind wir in Weimar, die Sonne scheint, alles bestens – bis auf die Stadtführung, deren Qualität etwas darunter leidet, dass die Führerin sich selbst für ein Opfer der Wende hält und jeden, der nicht das Geburtsdatum und die Schuhgröße von Goethe, Schiller, Herder, Wieland und Anna Amalia aufsagen kann, für einen (Zitat:) Hauptschüler. Kurz gesagt, eine zum Sterben langweilige, phasenweise sogar patzige Führung durch eine Stadt, die auf diese Weise wenig Chancen erhält, Zehntklässler zu begeistern. Immerhin, es sollte der einzige Flop im Kulturprogramm bleiben.
Gegen 19 Uhr laufen wir das A&O-Hostel in Dresden an: ein Plattenbau, der jedoch geschickt zu einem Jugendhotel umgebaut wurde. Recht zentral gelegen, Zimmer nicht zu groß und nicht zu hässlich, und auf dem Dach ein Terrassenkaffee, von dem aus man einen 1Aausblick auf das Stadtzentrum hat. Wer sich satt gesehen hat, kann Tischtennis und Kicker spielen oder die wii nutzen. Wir sind die einzige Gruppe im Haus, und die wenigen Einzelreisenden stören uns nicht.

10c auf den Stufen der Semperoper

Am zweiten Tag steht eine Stadtrundfahrt an – die Vorfreude hält sich in Grenzen. An der Semperoper steigt unsere heutige Begleiterin zu: schon der erste Eindruck ist deutlich besser als am Vortag, und der bestätigt sich in den folgenden 3 ½ Stunden. Die können nämlich auch sehr kurzweilig vergehen, wenn jemand viel weiß und gut erzählen kann: Altstadt, Neustadt, Blaues Wunder, Elbtal, Schlösser, Zwinger, Museen – wir bekommen einen lebendigen Eindruck von der wechselhaften Geschichte dieser Stadt, gespickt mit Anekdoten aus dem prallen Barockleben August des Starken ebenso wie aus dem zuweilen weniger prallen DDR- und Nachwende-Alltag. Am Ende der Rundfahrt machen wir die letzten Highlights zu Fuß, bis zur Frauenkirche, die wir abschließend besichtigen. Die Pause am frühen Nachmittag nutzen einige zum Besuch der Kasematten oder zum Abhängen auf den Brühlschen Terrassen. Oder, sieht man sich die Plastiktüten an, zum Besuch diverser Fachgeschäfte für Damenoberbekleidung.
Spätnachmittags treffen wir uns im Schatten der Semperoper und warten geduldig, bis sie uns endlich reinlassen. Hier stoßen wir auch auf andere Keppeler, die eigentlich weiter oben im Elbtal logieren und auf Tagestour durch Dresden sind. Großes Hallo.
Der Tag endet mit dem Besuch einer Indoor-Kartbahn. Für die meisten ist das der erste Kontakt mit den ziemlich schnellen Autos, entsprechend groß anfangs der Respekt. Aber dann: Tolle Rennen! Und, trotz einiger Rempler, keine Verletzten!

Der dritte Tag sollte der körperlichen und intellektuellen Ertüchtigung dienen und war der von den Teilnehmern im Vorfeld am meisten gefürchtete. Es sollte auch der heißeste Tag dieser ohnehin sommerlichen Woche werden. Mit dem Bus fahren wir in die sächsische Schweiz, um in der Nähe von Bad Schandau eine Tageswanderung auf dem historischen Caspar-David-Friedrich-Weg zu unternehmen. Diese scheitert nach etwa zwei Kilometern zur kaum verhohlenen Freude der Truppe, und zwar an einer Vollsperrung des ganzen Waldgebietes wegen Holzfällerarbeiten. Auf der Rückfahrt nach Dresden bedrängt eine Abordnung der Schüler die Verantwortlichen, von weiteren Versuchen, sie bei dieser Hitze zum Wandern zu zwingen, abzusehen. Wir einigen uns darauf, die wohl temperierten Räume des Grünen Gewölbes aufzusuchen und dort die Schätze der sächsischen Fürsten zu bestaunen.
Abends nach dem Essen im Hostel – sehr gut, so wie jeden Tag – teilen wir uns auf. Einige gucken sich in der näheren und weiteren Umgebung der Unterkunft um, einige bleiben direkt im Terrassencafé, einige gehen ins Kino. Nicht in irgendeins, sondern in den spektakulären dekonstruktivistischen Bau der Architektengruppe Coop Himmelblau, der in den 90ern Furore machte und die Bevölkerung bis heute polarisiert. Also erst eine kurze Besichtigung, dann der neue Tarantino.

Für den Donnerstag haben wir eine Themenführung („Sucht“) im Deutschen Hygienemuseum gebucht. Der seltsame Name dieser Institution verschreckt einige zunächst, doch Ausstellung und Führung überzeugen. So sehr, dass wir sehr viel länger bleiben, als ursprünglich vorgesehen war, um all das auszuprobieren, was das größtenteils interaktive Museum bereit hält. Der spätere Nachmittag steht zur freien Verfügung, und abends wird auf vielfachen Wunsch noch einmal die Kartbahn angefahren. Danach: Rumhängen auf der Dachterrasse, Abschied von Dresden und, befürchten wir, wahrscheinlich auch vom Sommer.

Die Rückfahrt am Freitag unterbrechen wir schon kurz nach dem Start. In der Dresdener Vorstadt hat der Berliner Architekt Asisi 2006 ein optisches Massenmedium der Frühzeit wieder auferstehen lassen. An den Innenwänden eines ehemaligen Gasometers zeigt ein gigantisch großes Bild in einem 360°-Panorama das barocke Dresden im Jahre 1756. Das Panorama wurde aus unendlich vielen Fotos, Malereien und digitalen Bildern im Rechner zusammencollagiert und auf riesigen Stoffbahnen ausgedruckt. Als Betrachter erklimmt man einen Turm im Zentrum des ehemaligen Gastanks und hat, tritt man oben heraus auf die Plattform, den unglaublich perfekten Eindruck, tatsächlich auf dem Turm der Hofkirche zu stehen und einen ganzen Tag im Sommer 1756 zu erleben, mit Markttreiben, Gewitter, lauer Vollmondnacht, inklusive Nachtwächtergesängen, Pferdegetrappel und Katzengejammer.
Ein – im Wortsinn – phantastischer Ausklang unserer (Zeit-)Reise nach Dresden. Unbedingt empfehlenswert!

Dr. J. Dietrich


webmaster 26.10.08

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