Unsere Lehrpläne Fachunterricht

„Im Rahmen des Bildungsauftrags des Gymnasiums in der Sekundarstufe I erschließt der Religionsunterricht die religiöse Dimension der Wirklichkeit und des Lebens (…) Es ist Aufgabe religiöser Bildung, den Kindern und Jugendlichen einen verstehenden Zugang zu religiösen Weltdeutungen und Lebensweisen zu erschließen und sie schrittweise zu verantwortlichem Denken und Verhalten im Hinblick auf Religion und Glaube zu befähigen.“ (Kernlehrplan kath. Religionslehre, S. 7)

Bei der Umsetzung dieses Anliegens arbeiten die Fachkonferenzen katholische und evangelische Religion eng zusammen. In gemeinsamen Sitzungen werden die Lehrpläne weitgehend aufeinander abgestimmt, wobei auch die konfessionelle Bindung von Lehre, Lernenden und Lehrenden gewahrt bleibt. Es kommt zu Absprachen über fächerverbindenden Unterricht, zur Durchführung ökumenischer Gottesdienste und religiöser Studientage, Austausch von Unterrichtsmaterialien u.v.m.

In besonderer Weise trägt das Fach Religionslehre zum Schulleben bei. Stift Keppel hat nicht nur – neben vielem anderen – eine religiöse Tradition, sondern es hat in ihr seinen Ursprung, deshalb nimmt dieser Erziehungsauftrag einen besonderen Stellenwert ein. Die dem Stift eigene Kirche gibt der Schule die Möglichkeit der regelmäßigen Durchführung von Schulgottesdiensten. Diese Gottesdienste sind in der Regel ökumenisch und finden in der Stiftskirche statt und werden von den Schülern unter Anleitung und Begleitung von Religionslehrern und den Pfarrern der örtlichen Kirchengemeinden beider Konfessionen vorbereitet und gestaltet. Gelegentlich werden dafür auch Wochenenden mit Übernachtungen in den Tagungsräumen von Stift Keppel genutzt:

Die Schullaufbahn der Schüler wird mit einem Gottesdienst zur Einschulung in Klasse 5 begonnen und nach bestandenem Abitur mit einem Festgottesdienst beendet.

An jedem ersten Montag im Monat findet zu Beginn der ersten Stunde eine ca. fünfzehnminütige Morgenandacht als offenes Angebot für alle interessierten Schülerinnen und Schüler statt.

Am Religionsunterricht nehmen getaufte und ungetaufte Kinder und Jugendliche teil, gelegentlich auch Moslems oder Zeugen Jehovas. In der Regel werden aus drei Klassen einer Jahrgangsstufe zwei Gruppen mit evangelischem Religionsunterricht und eine mit katholischem Religionsunterricht gebildet. Da z.Zt. eine katholische Lehrkraft fehlt,  findet in den Klassen 5 und 6 der Religionsunterricht konfessionsübergreifend nach einem eigens für diesen Unterricht entwickelten Hauscurriculum statt. Schüler/innen, Eltern und Lehrer sehen in dieser Regelung nicht nur eine „Notlösung“, sondern auch eine Bereicherung für den Unterricht der Erprobungsstufe.

In der Oberstufe findet der evangelische und katholische Religionsunterricht meist in überkonfessionellen Lerngruppen statt; mal ist es ein evangelischer, mal ein katholischer Religionslehrer, der evangelische und katholische Schüler gemeinsam unterrichtet. Dies hat sich nicht nur aus Gründen des Lehrermangels bewährt, sondern stellt für Schüler und Lehrer ebenfalls eine Bereicherung des Unterrichts dar. Der Religionsunterricht ist jedes Jahr auch als Abiturfach, schriftlich oder mündlich, vertreten. Melden sich Schüler aus Gewissensgründen vom Religionsunterricht, der als ordentliches Lehrfach Pflichtfach ist, ab, so nehmen sie in der Jgst. 9 am Unterricht "Praktische Philosophie" teil. In der Sek. II müssen Schüler, die sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben, bis zum Ende der Jahrgangsstufe 12 am Philosophieunterricht teilnehmen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass alle Schüler sich Sinn- und Wertfragen stellen.

Seit vielen Jahren beteiligt sich der Religionsunterricht auch an fächerverbindenden Projekten, die zum großen Teil im Schulprogramm verankert sind. Dazu gehören die Themen „Nationalsozialismus – Minderheiten – Ausgrenzung“ in der Jahrgangsstufe 9, „Strukturwandel in der Region – Globalisierung und ihre Folgen“ in der Jahrgangsstufe 9. Hier geht das Fach Religion häufig aus der Schule heraus, die Schüler/innen verschaffen sich „vor Ort“ in Einrichtungen von Kirche, Diakonie u. Ä. Eindrücke, die sie dann wieder in die Schule hineintragen. „Geld“ und „Wasser“sind Projektthemen in der Jahrgangsstufe 7. In der Oberstufe ist das Fach regelmäßig federführend bei der Einladung von Zeitzeugen des Nationalsozialismus beteiligt und leistet so kontinuierlich einen Beitrag zur Erziehung zu wertegebundener verantwortlicher Teilhabe. Der Vorbereitung auf die Arbeitswelt und zum kritischen Umgang mit den „Gesetzen des Marktes“ dient ein Unterrichtsvorhaben im ersten Halbjahr der Oberstufe, das das Betriebspraktikum der Schüler/innen vorbereitet und mit auswertet. In einer religiösen Studienwoche in der Jahrgangsstufe Q 1 stärken die Jugendlichen ihre Selbst- und Sozialkompetenz. Diese Besinnungstage finden außerhalb der Schule statt, und dieser geschützte Raum bietet in besonderem Maße die Chance zu eigenständiger und reflektierter Persönlichkeitsentwicklung.

Diesem Anliegen des Religionsunterrichts dienen schon seit jeher kooperative Unterrichts-, Lern- und Arbeitsformen, die auch in den Fachkonferenzen beraten und abgesprochen werden. Im Rahmen des Methodenkonzepts der Schule leistet das Fach auch hier einen Beitrag. Diese ersten Festlegungen müssen nun noch eindeutiger mit konkreten Unterrichtsvorhaben verbunden werden und stehen somit ebenfalls auf der Agenda der Fachkonferenzen.

Schulgottesdienste

  • Die Schullaufbahn der Schüler wird mit einem Gottesdienst zur Einschulung in Klasse 5 begonnen und nach bestandenem Abitur mit einem Festgottesdienst beendet.
  • Überdies werden über das Schuljahr verteilt regelmäßig Schulgottesdienste angeboten für die Klassen 5/6, 7/8, 9 und die Oberstufe. Die jeweils älteren Schüler der Stufen übernehmen die Vorbereitung und Gestaltung des Gottesdienstes.
  • An jedem ersten Montag im Monat findet zu Beginn der ersten Stunde eine ca. fünfzehnminütige Morgenandacht als offenes Angebot für alle interessierten Schülerinnen und Schüler statt.
Ursprung der religiösen Tradition

Auf Grund der Geschichte des Stifts, das vor über 750 Jahren als Prämonstratenserinnen-Kloster gegründet und nach der Reformation als freiweltliches Stift evangelischer Prägung fortgeführt wurde und seit 1655 bald über 150 Jahre simultan verfasst war, d.h. zwei Konfessionen im Konvent vereinigte, ist die religiöse Tradition bis auf den heutigen Tag gegenwärtig geblieben. Die Stiftskirche ist ein Zeugnis dieser Zeit.
Im Geist der Reformation unterrichteten die Stiftsdamen in Keppel bereits im 16. Jahrhundert Töchter des Adels und der gebildeten Stände. Das über die Grenzen Nassaus in großem Ansehen stehende Collegium virginum nobilium hatte bis zum Dreißigjährigen Krieg Bestand. Auch als nach der Säkularisation im 19. Jahrhundert in den Stiftsgebäuden erneut eine Bildungsstätte eingerichtet wurde, die unsere neuere, heute bald 130-jährige Schultradition in Keppel begründete, schenkte die Schirmherrin Königin Elisabeth von Preußen als Ausdruck religiöser Leitgebung den Lehrkräften und Schülerinnen Keppels eine Bibel mit der Widmung: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. (Mt 24,35)
Außer einer katholischen Missionspfarrei ging zu dieser Zeit auch eine evangelische Anstaltskirchengemeinde aus der Stiftskirche hervor. Das Stift unterhielt einen eigenen evangelischen Pastor, der für Seelsorge und Unterricht zuständig war. Während sich die katholische Gemeinde 1900 in einer gesonderten Pfarrkirche unweit des Stiftes in Dahlbruch etablierte, entwickelte sich auf evangelischer Seite die in der Stiftskirche verbliebene Anstaltsgemeinde zu einer eigenständigen Parochialgemeinde. 1975 wurde sie aufgelöst und als Bezirk in die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Hilchenbach integriert.

Religiös geprägte Veranstaltungen
  • Das Adventskonzert in der Stiftskirche, gestaltet durch Chor, Orchester und Solisten der Schule, spiegelt mit Programm und Aufführungsort die religiöse Ausrichtung wider.
  • An Stift Keppels Internatsvergangenheit knüpft die gemeindliche Einbindung des vokalpraktischen Kurses der Schule zur musikalischen Mitgestaltung des Gottesdienstes am 1. Adventsonntag in der Stiftskirche an.
  • Der traditionelle adventliche Lichtergang in Stift Keppel am letzten Tag vor den Weihnachtsferien nimmt seinen Ausgang in der Stiftskirche. Sie ist Unterrichts- und Anschauungsort für die Schüler, nicht nur für den Religionsunterricht, sondern auch für die Fächer Geschichte und Musik.
  • Religiöse Studientagungen werden dagegen für die Oberstufe in unregelmäßigen Abständen außerhalb des Hauses durchgeführt.

 H. Schlüter, September 2015